Zehn weitere Firmen suchen ihren Ökoprofit
Umweltschutz aus Eigennutz sichert ein Stück Zukunft für alle

Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Heinz Schlitt (Bergsträßer Anzeiger)

Bergstraße. Volker Degenhardt betreibt „Umweltschutz aus Eigennutz“: Als geschäftsführender Gesellschafter eines Lampertheimer Unternehmens, das jedes Jahr 400 000 Liter Diesel in Fahrzeugtanks füllt, sucht er immer nach Einsparpotenzialen. Als Vater von drei Kindern geht es ihm aber auch um deren Zukunft, und die ist nur lebenswert, wenn Natur und Umwelt noch einigermaßen intakt sind.

Deshalb hat Degenhardt in einer Zeit, wo auch sein Geschäft mit Autokranen und Schwertransporten nicht gerade brummt, zunächst investiert: 2500 Euro als Eigenanteil für die Teilnahme an der zweiten Runde des kreisweiten Projekts „Ökoprofit“. Degenhardts Lampertheimer Firma Weiland ist dabei in guter Gesellschaft. Von karitativen Einrichtungen über die Sparkasse Bensheim, den Bergsträßer Energieversorger GGEW, die Zwingenberger SurTec bis zur Bensheimer Schlachthofgesellschaft reicht das Spektrum der zehn Unternehmen, die sich einen doppelten Gewinn versprechen: für sich selbst und für die Umwelt. Degenhardt schielt zudem auf eine Imagesteigerung, die sich im Briefkopf gut vermarkten lässt.

Win-Win-Situationen herzustellen, ist genau der Sinn der Sache, wie Landrat Norbert Hofmann gestern beim Startschuss für die Neuauflage des Erfolgsmodells des letzten Jahres schwärmte. In der Tat steckt hinter Ökoprofit ein ebenso simples wie geniales Konzept. Indem sie Abfälle vermeiden und den Verbrauch von Strom, Wasser und Brennstoffen auf das unbedingt Nötige zurückfahren, schonen kühl rechnende Kaufleute ihr Budget und entlasten gleichzeitig die Umwelt, indem zum Beispiel nicht unnötig viel CO2 in die Luft geblasen wird.

Im Kreis Bergstraße betreut die Gesellschaft für Arbeitssicherheit-, Qualitäts- und Umweltmanagement (Arqum) mit Sitz in München und Frankfurt das Projekt – in der ersten Runde im letzten Jahr mit messbarem Erfolg. Die 14 Ökoprofit-Betriebe der ersten Stunde geben seitdem zusammen im Jahr eine halbe Million Euro weniger für Energie, Rohstoffe und Wasser aus. Für den Landrat ist dies der überzeugende Beweis dafür, dass Beiträge zur ökologischen Nachhaltigkeit auch betriebswirtschaftlich positiv zu Buche schlagen: „Es lohnt sich im doppelten Sinne des Wortes.“

Dementsprechend motiviert geht auch Michael Runkwitz ans Werk, der neben seinem Job bei der staatlichen Abteilung für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz im Landratsamt auch noch als Agendabeauftragter fungiert, nachdem das früher von Dr. Andreas Schenkel geleitete Büro auf Betreiben der Kreiskoalition aufgelöst worden ist.

Dass Ökoprofit keine Eintagsfliege bleibt, ist auch das Anliegen von Arqum-Geschäftsführer Dr. Uwe Götz, der gestern im Lorscher Museumszentrum den Workshop zum Einstieg selbst leitete. Der gelernte Chemieingenieur zeigte sich dabei erfreut darüber, dass zehn Betriebe der ersten Runde in einem Ökoprofit-Club am Ball bleiben. Einige Firmen streben sogar eine Zertifizierung an.

Ob Ökoprofit hält, was es verspricht, hängt von der konsequenten Einbeziehung der Mitarbeiter und einer systematischen Vorgehensweise ab – beginnend mit der Erhebung der Verbrauchsdaten bis zu Preisvergleichen und Amortisationsrechnungen. Zehn Halbtagsworkshops sollen zudem zur Drehscheibe für einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch werden. Götz: „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden.“

Schließlich ist das Konzept hundertfach erprobt. Unter den hessischen Landkreisen nimmt die Bergstraße die Pionierrolle ein. Über die ganze Republik laufen 40 Ökoprofit-Projekte zur Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes, auch in Großstädten wie München, Berlin und Hamburg. Im Kreis Bergstraße bestätigt sich die Erfahrung, die auch in den Metropolen gemacht wird: Die innovativen Betriebe, die sich hohe Ziele setzen und auf allen Feldern stetig besser werden wollen, haben auch beim Ökoprofit die Nase vorn.

© Bergsträßer Anzeiger   –   14.06.2002